Pranayama - Lehre über die Atmung

auf dem Bild ist eine Rose

Pranayama ist im achtstufigen Pfad des Patanjali, die vierte Stufe und somit der Vermittler zwischen der äusseren Welt und des inneren Seins des SELBST.

 

Die ersten Stufen befassen sich mit Yama, mit Verhalten, Moral und Ethik. Die zweite Stufe ist Niyama, sie regelt das Verhalten sich selbst gegenüber. Nun kommen die Asanas dazu, die Körperhaltungen, um den Körper gesund zu erhalten. Als viertes kommt Pranayama dazu. Pranayama geht über den Atemfluss langsam sanft von der äusseren Welt in die Welt des inneren Erlebens. Die weiteren Stufen sind: Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi, die Selbstverwirklichung.

 

Wir wollen uns hier also mit dem Tor von der äusseren Welt in die innere beschäftigen.

 

In der Pranayamapraxis werden unbewusste Atemmuster, über längere Übungsdauer, durch bewusst ausgeführte Techniken ersetzt.

Die Ausatmung, Einatmung und die dazwischen liegenden Atempause in der Atemfülle und Atemlehre werden durch Techniken, in ein bestimmtes Muster gebracht. Dies führt zu Veränderungen in der Aktivität des Geistes und kann bei regelmässiger Praxis zu einer Transformation des Bewusstseins führen. Der Bewusstseinsfluss wird sensibilisiert und von der Abhängigkeit der äusseren Erscheinungen befreit. Es findet eine Kultivierung des menschlichen Seins statt.

Die Bedeutung der Silben: Prana - Yama - Ayama

Das Bild beschreibt die Atmung
Dir Atmung

Prana zirkuliert im Körper durch ein feines System von Kanälen die Nadis. Es gibt je nach Schiften zwischen 72 000 oder 300 000 Nadis. Im Pranayama sind vor allem die drei Hauptnadis Ida, Pingala und Sushumna von Bedeutung.

 

Ida verläuft durch den linken Nasenflügel, entlang der Wirbelsäule zu einem Knotenpunkt, Kanda, im Becken.

Ida ist dem Mond zugeordnet, dem Weiblichen, Kühlen, der Abstraktion und der intuitiven Intelligenz.

Pingala verläuft parallel durch den rechten Nasenflügel entlang der Wirbelsäule zur Kanda, dem Knotenpunkt im Becken nahe dem Kreuzbein. Pingala ist der Sonne zugeordnet, dem Männlichen und der mentalen Intelligenz.

Ida und Pingala kreuzen sich auf ihrem Weg zur Kanda viermal.

 

Prana zirkuliert im Körper in fünf verschiedenen Aspekten:

Udana Vayu = aufstrebend zum Kopf

Prana Vayu = steuert Lebensenergie, stimuliert die Einatmung

Vyana Vayu = verteilende Kraft mit Wirkung auf den Kreislauf

Samana Vayu = zusammenziehend, zentrierend mit Wirkung auf Verdauung, Geburtswehen

Apana Vayu = sinkende Kraft, Energie der Ausscheidung

 


Sonne und Mond

Atem und Psyche


Prana bedeutet Vitalenergie oder Lebensenergie. Es wird manchmal mit der Luft in Zusammenhang gebracht, aber Prana ist mehr. Es ist das Leben, das die Dinge zusammenhält. Alles was wir im Äusseren sehen, ist dem Zerfall unterworfen. Jedes Gebäude zerfällt, wenn man es nicht mit Leben füllt und immer wieder renoviert und erneuert. So ist es mit allen Dingen und erst recht mit dem Lebendigen. Prana ist wie ein unsichtbarer Wind, der die Atome formiert. Prana, die Lebensenergie kann durch Gedankenkraft gelenkt werden.

 

Yama bedeutet Disziplin oder Lenkung. Prana braucht die Kraft der Gedanken, um Bewegung und Zeit zu erschaffen. Man kann sich leicht vorstellen, wie undiszipliniertes Denken endlose Zeit erschafft. Yama ist die Achtsamkeit in der Lenkung des Prana.

 

Ayama bedeutet Ausdehnung und Expansion. Der Pranafluss wird ausgedehnt. Im Pranayama lernen wir zu geben ohne zu verlieren.

Jeder psychologische Zustand des Menschen hat sein eigenes Atemmuster. Ist der Mensch uneins mit sich, traurig verwirrt oder depressiv, so verändert sich das Atemmuster nachhaltig. Zum Beispiel ist es bei Trauer oder Depression unregelmässig und oberflächlich. Bei Angst ist der Atem kurz. Ist man abgespannt, atmet man weit oben. Ist man ruhig und gelassen, so ist der Atem sanft und gleichmässig. Bei Konzentration bis hin zu Meditation ist der Atem fein regelmässig und tief.

Auch Krankheiten werden von einem unklugen Atemmuster begleitet. Es ist naheliegend, unbewusste psychologische Muster durch ein verbessertes Atemmuster sanft der bewussten Veränderung zugänglich zu machen. Auch hier sieht man die zentrale Rolle der Atmung als Mittler oder Bindeglied zwischen dem Körper und dem Geist.


Nutzen und Wirkung

Die Bewusste Atemkontrolle führt zu Konzentration. Das Atemvolumen erhöht sich und der Atem wird länger und feiner. Weiter hat sie eine positive Wirkung auf das vegetative Nervensystem. So verbessert sich die Sauerstoffbindungsfähigkeit der roten Blutkörperchen. Auch das Hautbild verbessert sich. Giftstoffe werden vermehrt ausgeschieden und der Körper ist weniger anfällig auf Krankheiten.

Auf psychischer Ebene erhöht sich unsere Konzentrationsfähigkeit. Der Sympathikus zieht sich zurück und der Parasympathikus kommt zum Vorschein. So bleiben wir in brenzligen Situationen gelassen und klar. Die Leistungsfähigkeit des Gehirnes wird erhöht. Im Allgemeinen erhöht Pranayama die eigene Vitalität.

 

 

Das vollkommene Pranajama haben wir erreicht, wenn wir uns jeden Augenblick der Atmung bewusst sind.

 

„Der Atem ist die Intelligenz des Körpers“

T.K.V. Desikachar