Wechselatmung / Nadi Shodana / Anuloma Viloma

Ein Nadi ist ein röhrenförmiges Organ zur Leitung von Prana und überträgt kosmische, vitale Energie sowie auch Empfindung, Erkenntnis und Bewusstsein im ursächlichen, feinstofflichen und physischen Leib. Shodana heisst Reinigung / Säuberung / Klärung. Es geht bei der Wechselatmung um die Reinigung und Harmonisierung der feinstofflichen Nerven.

Manchmal wir die Wechselatmung auch als Anuloma Viloma bezeichnet, was bedeutet „gegen den Strich atmen“.

 

Haltung

Setze dich mit aufgerichteter Wirbelsäule auf einen Stuhl oder auf den Boden. Lass die linke Hand mit der Handinnenfläche nach oben, auf dem linken Oberschenkel liegen. Du kannst mit der linken Hand das Jnana Mudra formen, dazu lässt du die Daumen und Zeigefingerkuppel sich berühren.

Der ganze Körper bis zum Kopfscheitel ist aufgerichtet und im Lot. Bringe nun die

rechte Hand zum Gesicht und lege den Daumen der rechten Hand an die rechte Nasenfalte und den Ringfinger der rechten Hand an die linke Nasenfalte. Der Zeige- und der Mittelfinger sind gerade ausgestreckt und können auf die Stirn gelegt werden, was zusätzlich noch beruhigend wirkt oder sie sind angewinkelt. Achte darauf, das jeweilige Nasenloch nur mit leichtem Druck zu schliessen und während der Atemübung nicht unbewusst den Kopf nach rechts zu neigen. Fühle das kühle feuchte Aroma der Einatmung und die warme Ausatmung. Dieses Feingefühl solltest du ausbilden, denn sonst ist die Übung mechanisch und wirkungslos.

Übrigens, wenn du Linkshändler bist, darfst du natürlich alles mit der linken Hand machen. Die erste Ausatmung empfehle ich jedoch trotzdem mit dem linken Nasenloch zu beginnen, jedoch steht es dir frei deine eigenen Erfahrungen zu machen.

Technik

Die Wechselatmung beginnt immer mit der Ausatmung durch das linke Nasenloch.

Der Zählschrittrhythmus ist im Verhältnis Einatmen; Atem anhalten; Ausatmen = 1:4:2

Einfach : Atem fliessen lassen ohne zu zählen: Links ausatmen, links einatmen, rechts 

             ausatmen, rechts einatmen usw.

Oder:                                4:4:8

Steigerung:                        4:8:8

                                         4:12:8

                                         4:16:8

Fortgeschritten:                  5:20:10

                                         6:24:12

                                         7:28:14

                                         8:32:16

 

Übe mindestens 10 Runden - wobei eine Runde mit der Ausatmung auf links beendet ist. Dehne dann deine Ausdauer bis auf 30 min. aus.

 

Wirkung

Die Lungenkapazität wird erhöht und die Atmung bewusst geregelt und kontrolliert - was die Konzentrationsfähigkeit fördert. Gerade die Perioden des Atem-Anhaltens sind ein gutes Training für Herz und Kreislauf. Die Nasendurchgänge werden geöffnet. Die Wechselatmung ist vorzüglich gegen Allergien, Heuschnupfen und Asthma und wirkt vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten. Es wirkt harmonisierend auf alle Körpersysteme und die verlängerte Ausatmung fördert den Parasympathikus, den „Ruhenerv“.

Auf energetischer und geistiger Ebene wirkt dieses Pranayama reinigend auf alle Nadis und fördert somit die geistige Entwicklung bis hin zur Selbsterkenntnis. Es ist eine vorzügliche Vorbereitung für die Meditation. Emotionelle Ungleichgewichte werden umgewandelt in das ruhige Gefühl der Stärke und Kraft. Die rechte und linke Gehirnhälfte wird ausgeglichen und harmonisiert. Die Energien fliesen frei. Blockaden werden beseitigt und die Durchlässigkeit somit erhöht.

Vorsicht

Wenn die eigenen Grenzen respektiert werden, kann die Wechselatmung ohne Luftanhalten von jedem Menschen praktiziert werden. Wechselatmung mit Luftanhalten sollte nicht durchgeführt werden, wenn man einen inneren Widerstand gegen das Luftanhalten fühlt, sowie auch nicht von Kindern und Schwangeren. Vorsicht mit dem Atemanhalten auch bei erhöhtem Blutdruck und Herzbeschwerden.