Yoga Nidra - bewusste entspannung

Yoga Nidra - der Schlaf der Yogis

Zentrifugalkraft - Zentripetalkraft


Yoga Nidra wurde von Paramahamsa Satyananda Saraswati entwickelt. Sie ist eine tantrische Meditation und führt zu Tiefenentspannung für Körper und Geist.

 

Stress und Verspannungen sind die häufigsten Leiden unserer schnelllebigen modernen Gesellschaft. Daraus entstehen zahlreiche körperliche und seelische Leiden wie Schlaflosigkeit, Angst und Aggression. Diese führen wiederum zu Stress und Verspannungen, einem Teufelskreis,  der einmal zum Rollen gebracht – scheinbar kein Entrinnen mehr zulässt.

 

Doch hat der Kreis, seiner Natur folgend, einen Mittelpunkt, ein Zentrum, wo Raum und Zeit zur Ruhe kommen und eins werden.

 

Es gibt zwei Hauptkräfte in der Natur des Menschen. Zum einen die Zentrifugalkraft, die uns in die Veräusserlichung treibt, in die Welt der sinnlichen Wahrnehmung und damit auch in konditioniertes Verhalten. Dem Gegenüber steht die Zentripetalkraft, die Kraft, die nach innen weist, zum Selbst, zum freien Willen und zur Unabhängigkeit. Die erste Kraft ist laut und fordernd, die zweite ist nur in der Stille erfahrbar.

 

Oft glauben wir, uns zu entspannen, indem wir mit einer Tasse Kaffee, einem Drink oder einer Zigarette in einen bequemen Sessel sinken, eine Zeitung lesen oder Fernsehen.

In diesen Momenten werden jedoch nur die Sinne abgelenkt.

Wahre Entspannung geht weit darüber hinaus.

Der Körper ist völlig frei von Spannungen, die Gedanken hören auf in der Vergangenheit oder der Zukunft zu kreisen und kommen in der Gegenwart zur Ruhe. Die Gefühle werden friedlich harmonisiert und gleichen einem spiegelglatten See.

 


Das Glück im Selbst

Der Schlüssel zur Gesundheit und Heilung liegt in uns selbst verborgen. In uns selbst ist der Nabel der kreativen Schöpferkraft. Im Aussen gibt es keine Antworten auf unsere Fragen und keine Lösung für unsere Probleme. Aktives Passiv sein, wie wir es in allen Formen der Meditation finden, ist die mögliche Lösung und aktiv lozulassen die Vorbedingung dafür.


Die berühmte Sanskrit Formel „tat vam asi“ bedeutet, dass wir in der ganzen Welt nur uns selbst begegnen, tausendfach gespiegelt. Die Welt ist ein Spiegel. Wenn wir angelächelt werden wollen, müssen wir erst selber lächeln.

 

Es gibt drei Arten von Verspannungen

Körperliche Verspannungen betreffen die Muskeln, das Nerven- und das Endokrinsystem (Hormone, welche die Alterungsprozesse, die Pubertät und die Menopause steuern). Diese Verspannungen können durch eine tiefe körperliche Entspannung, die im Zustand von Yoga Nidra erreicht wird, relativ einfach aufgelöst werden.

 

Emotionale Verspannungen, die ihre Wurzeln in den verschiedenen Gegensätzen wie Liebe und Hass, Gewinn und Verlust, Erfolg und Versagen, Glück und Unglück haben, sind schwerer zu lösen, weil wir (bedingt durch gesellschaftliche und kulturelle Verhaltensmuster) Mühe haben, unsere Gefühle frei und offen zu äussern. Wir wehren uns oft, Gefühle zuzulassen, stattdessen unterdrücken wir diese. Die daraus resultierenden Spannungen graben sich immer tiefer ein. Es ist nicht möglich, diese Verspannungen durch gewöhnlichen Schlaf aufzulösen. Yoga Nidra kann die gesamte emotionale Struktur beruhigen.

 

Mentale Verspannungen resultieren aus einem Übermass an Ich-bezogenen Gedanken. Der Geist besteht aus einem Strudel von Schwingungen, Phantasien und Verwirrungen. Während des ganzen Lebens werden die Erfahrungen, die von unserem Bewusstsein aufgenommen werden, im Mentalkörper angesammelt.

Ungeduld, wütende Reaktionen und laut reden sind Möglichkeiten, sich von Zeit zu Zeit eruptiv Luft zu verschaffen. Entspannung auf mentaler Ebene bedeutet, Realitätssinn zu entwickeln, das heisst, sämtliche Illusionen hinter uns zu lassen und das, was ist, als Gegenwart zu erkennen. Die Gegenwart ist die einzige Realität. Yoga Nidra hilft sich der Realität mutig zu stellen.

 

Erst wenn alle drei Arten der Verspannungen gelöst sind, kann der Schlaf wirklich erholsam sein.

 

Yoga Nidra und das Gehirn

Neurochirurgen haben nachgewiesen, dass jeder Teil des Körpers kartographisch auf der Oberfläche des zentralen Gyrus, der Falte der sensomotorischen Rinde des Gehirns, abgebildet ist.

Das Gehirn ist unser Instrument, um Körper, Gedanken und Gefühle zu einer harmonischen Einheit zusammenzufügen. Der Neurochirurg wirkt auf den Körper ein, indem er das Gehirn stimuliert. Der Yoga Nidra Schüler beginnt am anderen Ende des Nervenweges, er steigert die Körperwahrnehmung, um das Gehirn zu stimulieren.

Praxis

Durch Yoga Nidra erlangen wir die Fähigkeit, unsere schöpferischen Kräfte zu mobilisieren.

Yoga Nidra muss geübt werden. Es ist ein Training des Geistes, denn äusserlich passiert beim Übenden nichts Sichtbares. Yoga Nidra bedeutet mit einer Spur von innerer Bewusstheit zu schlafen. Etwa so wie der Faden der Ariadne aus der griechischen Mythologie: mit Hilfe des Fadens fand Theseus den Weg durch das Labyrinth (der Träume?) und tötete den Minotauros (das Schreck-Gespenst der Ängste, der Gier und des Hasses).

 

Du darfst Dich im Yoga Nidra vollkommen entspannen und wohl fühlen. Es ist keine Konzentration sondern Wahrnehmung. Wenn du den Anweisungen aufmerksam folgst, ist es möglich, die Tore zu tieferen Persönlichkeitsschichten zu öffnen.

Wenn du einige Anweisungen verpasst, ist das nicht schlimm; es ist nur wichtig, dass du weiterhin der Stimme zuhörst und alles, was geschieht, bewusst und unvoreingenommen betrachtest.

Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass selbst Menschen, die in der Meditation geübt sind, bis zu 50% der Zeit verschlafen. Es kann sein, dass negative Gedanken oder verwirrende Bilder während der Übung auftauchen. Dies sind mentale Schlacken, die in tieferen Bewusstseinsschichten liegen und ein Ventil suchen. Bleibe Beobachter und lass sie zu, ohne dich mit ihnen zu beschäftigen. Sie werden sich von allein erschöpfen.


Grundriss der praktischen Übungen

Shavasana bedeutet „Der Leichnam“, du Liegst auf dem Rücken am Boden, dies ist die beste Haltung für Yoga Nidra , weil die einzelnen Gliedmassen nicht miteinander in Kontakt sind und sich dadurch die Berührungsempfindungen reduzieren. Die äusserst sensiblen Fingerspitzen sind vom Fussboden weggelenkt, indem die Handflächen nach oben gerichtet werden. Die Augen sind geschlossen.

Es ist auch möglich, die Hände auf der Brust flach übereinander zu legen. Die Ellbogen berühren dabei den Boden. Die Beine sind etwa hüftbreit auseinander, die Füsse fallen nach aussen. Es ist besser, kein Kissen zu benützen, doch wenn der Nacken stark verkürzt ist, hilft ein dünnes Kissen. Bei leichtem Hohlkreuz hilft eine Unterlage unter den Oberschenkeln, den unteren Rücken zu entspannen. Wir können aber auch im Sitzen und Geübte auch im Stehen üben.

 

Sankalpa - Den Samen pflanzen

Das Sankalpa ist ein Vorsatz, welchen du für dich fasst. Du wählst das Sankalpa nach deinem Bedürfnis jedoch sollte es nicht zur weltlichen Wunscherfüllung dienen sondern vielmehr zur Bewusstwerdung deines Selbstes.

Die Worte sollten präzise und eindeutig sein, weil sie sonst nicht in das Unterbewusste eindringen können. Es kann sein, dass sie direkt aus deinem Innersten auftauchen. Als Beispiele dienen folgende Sätze: Ich bin in allem was ich beginne erfolgreich. Ich bin bewusst und zielgerichtet. Frieden ist in allem was ich tue meine höchste Priorität. Ich bin gesund.

Ist der Entschluss einmal gefasst, sollte er nicht mehr verändert werden, bis er sich in deinem Leben verwirklicht hat. Die Intensität deines Vertrauens und deiner Überzeugung ist massgeblich an der Verwirklichung deines Sankalpa beteiligt.

 


Körper, Atem, Bilder, Polarität

Entspannung auf der Körperebene

Das Kreisen der Wahrnehmung durch die verschiedenen Körperteile ist keine Konzentrationsübung und verlangt keinerlei körperliche Bewegung. Drei Bedingungen sollten während der Übungen gewährleistet sein:

1. Bleibe achtsam (jedoch ohne Konzentration, denn dies würde Anspannung zur Folge haben.)

2. Höre der Stimme zu.

3. Die Wahrnehmung ist entsprechend den Anweisungen immer in Bewegung.

Wenn du hörst „Daumen der rechten Hand“, dann wiederhole das in Gedanken. Stelle dir den rechten Daumen vor. Denke nicht darüber nach, welcher Körperteil als nächstes kommt. Das würde bedeuten, dass du die Gegenwart zugunsten einer Zukunft, die immer spekulativ und illusionär bleibt, verlässt.

Die Wahrnehmung des Atems vertieft die physische Entspannung. Der Atem kann in den Nasenlöchern, im Brustraum oder zwischen Nabel und Hals beobachtet werden. Durch gedankliches Zählen der Atemzüge vertieft sich die Entspannung.

Nun folgt die Entspannung auf der Gefühls- und Empfindungsebene. Durch Erinnern gegensätzlicher Gefühle und Empfindungen wie Schwere / Leichtigkeit, Hitze / Kälte und Liebe / Hass oder Freude / Trauer können diese mit Abstand aus der „Beobachterposition“ noch einmal erlebt werden.

 

Vielleicht ist es möglich, diese Empfindungen zu neutralisieren und aufzuheben. Dadurch werden beide Hirnhemisphären dazu angeregt, harmonisch miteinander zu arbeiten. Das nochmalige Erleben tiefer Gefühle macht es möglich, sie aus dem Gedächtnisspeicher zu entfernen, so dass die emotionale Ebene frei von Druck wird und tiefste Entspannung eintritt.

Die letzte Stufe von Yoga Nidra, welche zur Befreiung von Spannungen auf der Mentalebene führt, ist die Visualisierung. Hier kannst du dir ein Bild der genannten Begriffe machen, welche von universeller Bedeutung sind. Bilder und Begriffe rufen starke Assoziationen hervor und bringen versteckte Inhalte aus dem Unbewussten in das Wachbewusstsein. Die Bilder können gegenständlich sein (z.B. Meer, Blumen, Heilige) oder abstrakt als Symbole (z.B. Chakras, Kreuz, goldenes Ei). Diese Übung entwickelt die Selbstwahrnehmung, entspannt den Geist und reinigt ihn von störenden, schmerzhaften Inhalten.

 

Gegen Ende von Yoga Nidra ist die Entspannung weit fortgeschritten und das Bewusstsein sehr klar und aufnahmefähig. Aus diesem Grund endet Yoga Nidra mit deinem Sankalpa. Dieser direkte Befehl von deinem Bewussten zu deinem Unbewussten ist der Same zur tief greifenden Veränderung.

 

hari om tat sat

„Gott, der Schöpfer, das ist das Sein, die wahre Realität“.